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Online-Galerie des Malers Stefan Bräuniger
Der Künstler Stefan Bräuniger stellt sein Werk als Onlinegalerie vor. Er hat sich auf realistische Malerei spezialisiert: Ölgemälde von Blumen (Rosen) und Früchten ( z.B. Zitronen, Trauben und Kirschen) und Stillleben.
Natürlich sind es zunächst die abgebildeten Dinge, die Früchte und Blumen, die beim Betrachten von Stefan Bräunigers Bildern ins Auge springen und faszinieren. Sie strahlen eine verträumte Poesie aus und sind doch gleichzeitig in ihrer Direktheit geradezu lebendige Wiedergaben der Realität. Staunend gewahrt der Betrachter die vollkommene Schönheit der Rose, die zarte Anmut der Wicke, die perfekte Form der Johannisbeere – und empfindet beinahe unweigerlich Ehrfurcht vor diesen Wunderwerken der Natur.
Erst wenn man sich eingehender mit der Wirkung der Bilder beschäftigt, wird deutlich, dass diese nur vordergründig durch die Sujets hervorgerufen
wird. Viel mehr als die Früchte und Blumen selbst sind es die Bildausschnitte, die Perspektiven, die
Farbigkeit, der Bildaufbau, also die Bildkompositionen, die den Bildern Spannung und Emotion verleihen. Bräunigers Stillleben beweisen sein
sicheres Gefühl für Proportionen und formale Zusammenhänge, zeigen jenseits aller Inhaltlichkeit
den leidenschaftlichen Maler. Die Wahl seiner
Themen verweist weniger auf einen fanatischen
Blumenfreund und Obstliebhaber als auf einen
Künstler, der ideale Objekte gefunden hat, seine
wahre Meisterschaft zu zeigen.
Das Quadrat als Bildformat, das Bräuniger häufig
wählt, zeichnet sich durch seine besondere Ausgewogenheit
aus. Als Ausgangsbasis für Bräunigers
Kunst ist es damit prädestiniert. Virtuos verleiht er
dem Format eine eigene aufregende Dynamik. Sie entsteht durch steigende und fallende Diagonalen,
Staffelungen, Komplementärkontraste, die Arbeit
mit Flächenaufteilungen, den gekonnten Einsatz
von Körpern und Linien.
Schaut man sich „Zitronen V“ als Beispiel daraufhin
genau an, findet man dies bestätigt. Den drei
im Dreieck zueinander stehenden Hintergrundflächen
entsprechen die drei Zitronen, die nachbzw.
voreinander gestaffelt Tiefe und Volumen
ergeben und gleichzeitig eine Diagonale von Körpern
bilden, während die Blätter von links unten
nach rechts oben als Gegengerade erscheinen.
Dem Hintergrunddreieck der Basis entspricht das
von den Blättern gebildete Dreieck am oberen
Rand, dem großen Blatt der linken unteren Ecke
die obere rechte Fläche. Neben dem eingewölbten
Dreieck am linken Bildrand bildet das Blatt in der
oberen linken Ecke ein ausgewölbtes Dreieck, dessen
Form in der unteren rechten Ecke durch einen
Stängel wieder aufgenommen wird. Blattrispen,
Stiele und Schatten bilden ein Liniengerüst, das
mit den kugeligen Körpern der Zitronen kontrastiert.
Diese Entsprechungen, Kontraste und Gewichtungen
– das rechte untere Bilddreieck zeigt
die große, schwere vordere Zitrone, während das
linke obere Dreieck durch die kräftig grünen Blätter
das Gegengewicht bildet – sind eine formale
Meisterleistung. Auch der Anschnitt der Zitrone
am rechten Rand dient dieser Komposition. Er verhindert
die Rechtslastigkeit und verweist so auf die
Konstruktion des Bildes an sich, auf dessen fast
schon abstrakte Qualitäten. Wie man es auch dreht,
stehen Linien, Flächen, Volumen und Gewichtung
in einem spannungsreichen Verhältnis zueinander.
Die Farbgebung des Bildes unterstreicht diese formalen
Komponenten. Es dominiert das Gelb der
Zitronen, die durch aufgesetzte weißliche Lichter
noch an Volumen gewinnen. Der helle rötlich graubraune
Hintergrund, der als Mischung aus Gelb,
Rot und Blau die Blatt-, Stiel- und Zitronenfarben
und doch mit rötlichem Schimmer den Komplementärkontrast
zu Grün enthält, lässt die Zitronen und Blätter noch präsenter erscheinen. Feine ins
Rot gehende Farbspuren am Rand der Zitronen,
der Blätter, den Stielen und am Blattschatten zeigen
als Komplementärkontraste die Raffinesse der
Malerei.
Die besondere Qualität von Stefan Bräunigers Bildern
beruht darauf, dass diese rein malerischen und
formalen Themen voll ausgereizt werden, und sie
doch realistische Darstellungen sind. Sie sind quasi
eine Synthese aus reiner Malerei und perfekter
Abbildung. Jede Pore der Zitrone ist akribisch
gemalt, ihr wächsernes Aussehen wiedergegeben,
die frische Glattheit der Blätter, die kleinen kräftigen
Stiele in ihrer natürlichen Stofflichkeit genau
getroffen. Aber auch dies ist letztlich vor allem
eine malerische Aufgabe für den Künstler.
Es ist die Faszination des „Handwerks“, also der
Tätigkeit des Malens und des künstlerischen
Schaffens, die sich, ganz losgelöst vom zu Malenden,
hier Ausdruck verschafft. Liebevoll legt Bräuniger
eine farbige Untermalung an, um später den
für seine Bilder so typischen „Schmelz“ zu erhalten.
Ohne Hintergedanken an mögliche inhaltliche
Konnotationen ist es dann sein Bestreben, das ausgewählte
Sujet genau der fotografischen Vorlage
entsprechend wiederzugeben. Penibel wird jeder
Farbton einzeln angemischt, in tagelanger Arbeit
ausgehend von einer Ecke des Bildes nach- und
nebeneinander auf die Leinwand gebracht. Die
leichte Zartheit der Blütenblätter einer Wicke, die
Durchsichtigkeit der Johannisbeeren, die mattglänzende
Oberfläche der Oliven, die prallen, glänzenden
Kirschen oder die duftige, filigrane Rose –
schon seit dem 17. Jahrhundert war es ein Bestreben
der Maler von Stillleben, mit ihrem malerischen
Können die sinnlichen Eigenschaften der
Dinge zum Leben zu erwecken.
Trotz der unbestreitbar malerischen Qualitäten ist
Stefan Bräunigers Kunst ohne die Fotografie nicht
denkbar. Im ganz praktischen Sinne beruht dies
zunächst auf dem Entstehungsprozess der Bilder.
Wie schon erwähnt, dienen dem Künstler Fotografien
als Bildvorlagen. Zu Haus, bei möglichst immer
gleichen Lichtverhältnissen, fotografiert er,
was ihm an Früchten und Blumen unterkommt.
Nur ca. zehn Prozent dieser Aufnahmen erscheinen
ihm allerdings für seine Zwecke tauglich. Mit Hilfe
eines verschiebbaren Rahmens sucht er aus den
farbigen Abzügen den Bildausschnitt, den er malerisch
umsetzen will. Der wird auf die Leinwand
projiziert und als Skizze übertragen.
Neben diesem konkreten Bezug zur Fotografie ist
es aber vor allem die durch die Fotografie ermöglichte
Sehweise, die entscheidenden Einfluss auf
Bräunigers Kunst hat.
Seit den Anfängen der Fotografie beeinflussen sich Fotografie und Malerei wechselseitig. Die Fotorealisten haben in diesem Zusammenhang die Abstraktheit des Mediums deutlich gemacht. Fotografische Realität ist in ihrem Sinne das Nebeneinander von abstrakten Flächen, Linien und Punkten, die erst das menschliche Auge zu einem Abbild zusammensetzt. Auch wenn Bräuniger sich selbst nicht als Fotorealist bezeichnet, weil ihm Etikettierungen dieser Art nicht geheuer erscheinen, so nutzt und kopiert er doch diese Erkenntnisse. Er inszeniert seine Objekte nicht, noch zeigt er sie als Ganzes. Das Kameraobjektiv erforscht für ihn den Gegenstand Stück für Stück, Ausschnitt für Ausschnitt. Es zerlegt die Realität in Versatzstücke, zoomt sich ganz nah heran – eine Sehweise, die sich nicht am Gegenstand selbst ausrichtet, indem sie z.B. nur ein einzelnes Blatt „ausschneidet“, sondern die die Realität in rechteckige Flächen aufteilt, auf denen jeweils ein bestimmter Part des Gegenstandes zu sehen ist. In diesem Rechteck das Wesen des Gegenstandes zu erfassen, ist Bräunigers großer Verdienst. Mühelos funktionieren seine Bilder als eben diese abstrakt angelegten Rechtecke wie als getreue Wiedergabe der Wirklichkeit. Anders als die Maler der Vergangenheit hat StefanBräuniger nicht das Bestreben, seine Objekte mit
einer metaphorischen oder symbolischen Bedeutung zu belegen. Trotzdem weckt ihr Anblick unwillkürlich Emotionen.
Seine Blumen und Früchte scheinen nicht mehr und nicht weniger sagen zu wollen als: „Ich bin was ich bin“, eine Rose, eine Zitrone, ein Olivenzweig. Aber tragischerweise bleibt ihr Wunsch unmöglich zu erfüllen, macht doch gerade die Art ihrer Darstellung deutlich, dass sie eben nur das Abbild der realen Rose, Zitrone oder Olive sind. Vielleicht rührt daher ihre tiefe Melancholie und poetische Kraft. Sie mag dem unbarmherzig realistischen Blick geschuldet sein, dem kein Detail entgeht, mehr noch aber ihrem ausschnitthaften Dasein, gleichsam verloren in ihrer lebendigen Präsenz im unbestimmten Raum. Je klarer und deutlicher das Bild sagt: „Ichbin ein Bild“, von einer Rose, einer Zitrone, einemOlivenzweig, desto mehr wird die Vergänglichkeit der realen Rose, Zitrone oder Olive bewusst. IhreExistenz ist eingefroren, festgehalten, aber nichtmehr fassbar, schon vorbei. In diesem Sinne kann Stefan Bräunigers Vorliebe für die Gegenstände der Natur verstanden werden als Versuch, den Dingen wieder Leben „einzumalen“, ihre Vergänglichkeit damit aufzuheben, und doch genau die Widersprüche, die sich daraus ergeben, mitklingen zu lassen und spürbar zu machen. Ein Unterfangen, das ihm auf meisterhafte Weise glückt.
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